Vom 4. September bis zum 31. Oktober 2026 Öffentliches Foyer des PalaCinema Locarno wird ein neues Projekt für zeitgenössische Videokunst beherbergen. Die Initiative ist eine Zusammenarbeit zwischen dem PalaCinema und videokunst.ch, eine Schweizer Plattform, die seit über zwanzig Jahren aktiv Künstler fördert, die mit bewegten Bildern arbeiten.

Das Programm wird mit Valentina Pini , einer in Zürich und im Tessin tätigen Schweizer Künstlerin, und ihrem 2019 entstandenen Werk „ With Two Naked Eyes Watching Slime on the Ocean Floor“ eröffnet . Das Projekt markiert den Beginn der ersten Zusammenarbeit von videokunst.ch im Tessin und wird in den kommenden Monaten mit weiteren Terminen und regelmäßigen neuen Präsentationen fortgesetzt.

Ein neuer Raum für bewegte Bilder

Die Initiative hat zum Ziel, Videokunst in den zugänglichen und alltäglichen öffentlichen Raum zu bringen, jenseits traditioneller Ausstellungsräume. Die Zusammenarbeit vereint zudem Künstler*innen aus den verschiedenen Sprachregionen der Schweiz und fördert so den Dialog zwischen unterschiedlichen Praktiken, Sprachen und Sensibilitäten.

Für videokunst.ch markiert dies ein neues Kapitel in einer Reise, die 2004 begann. Im Laufe der Jahre hat die Schweizer Plattform Ausstellungsprojekte und Kooperationen entwickelt, die sich der zeitgenössischen Videoproduktion widmen und Werke von Schweizer und internationalen Künstlern präsentieren.

Seit 2025 hat sich der Schwerpunkt der Aktivitäten schrittweise auf temporäre Initiativen und Kooperationen verlagert, die das bewegte Bild über die traditionellen Räume der zeitgenössischen Kunst hinaustragen. Gleichzeitig betreut videokunst.ch weiterhin Videofenster in Kinos in Bern und Zürich und kuratiert die Winterreihe IM LOOP, die in Zusammenarbeit mit der PROGR Turnhalle in Bern produziert wird.

Nachdem das Projekt in Locarno gestartet wurde, kommt dieses Erlebnis nun zum ersten Mal ins Tessin.

Vorschau mit Valentina Pini und Micha Seidenberg

Die Eröffnung der Installation wird von einer Vorbesichtigung und einem Künstlergespräch begleitet, die am Freitag, dem 4. September, von 18:00 bis 19:30 Uhr stattfinden. Valentina Pini und der Komponist Micha Seidenberg, der den Klang für das präsentierte Werk geschaffen hat, werden teilnehmen.

Zum Abschluss werden Erfrischungen gereicht.

Die Veranstaltung findet im öffentlichen Foyer des PalaCinema Locarno auf der Piazza Remo Rossi 1 statt. Die Installation bleibt anschließend bis zum 31. Oktober 2026 zu sehen.

Valentina Pinis künstlerische Forschung

Valentina Pinis künstlerische Praxis umfasst Video, Fotografie und Skulptur, wobei der Fokus insbesondere auf dem Verhältnis von Materie, Transformation und Wahrnehmung liegt. Ihre Arbeiten greifen oft auf erkennbare Alltagsgegenstände zurück, die sie Veränderungsprozessen unterziehen, welche ihr Aussehen und ihre Bedeutung wandeln.

Die strengen Strukturen und Gesetze der Materie interagieren somit mit instabileren Bildern, die der Welt der Träume oder des Unbewussten näher stehen. Scheinbar gewöhnliche Objekte nehmen neue Identitäten an und werden zu Elementen von Erzählungen, die zwischen philosophischen Bezügen, Anklängen an uralte Magie und Materialien der Industriewelt angesiedelt sind.

Dabei wird das unmittelbar Erkennbare schrittweise verändert. Der Betrachter wird dazu angeregt, die Stabilität der Wahrnehmung und die Fähigkeit von Bildern, die Bedeutung von Dingen zu verändern, zu hinterfragen.

Pinis Werke schaffen oft Situationen, in denen die Grenze zwischen physischer Realität und Imagination verschwimmt. Durch die Präzision des bewegten Bildes oder die von Installationen erzeugte Spannung arbeitet die Künstlerin an einer ständigen Neudefinition des Blicks.

Von Grapefruits bis zu Tiefseekreaturen

Das zur Eröffnung des Projekts ausgewählte Werk, „ With Two Naked Eyes Watching Slime on the Ocean Floor“ , ist ein zweiminütiges und achtundvierzig Sekunden langes Farb-HD-Video.

Das Werk beginnt mit einem scheinbar einfachen Element: einigen Grapefruitscheiben. Der Künstler fertigt einen Gipsabdruck an, der anschließend per 3D-Scan transformiert wird. Die so entstandenen Bilder werden vergrößert und digital animiert.

Das Ergebnis ist eine visuelle Metamorphose, die das Motiv zunehmend von seinem Ursprung entfernt. Die Formen der Grapefruit erinnern an Meeresorganismen, an schleimige Geschöpfe mit Auswüchsen und scheinbar schwebenden Bewegungen. Ihre Elemente ähneln Tentakeln, aber auch anderen anatomischen Details, wodurch ein ständiges Schwanken zwischen Erkennbarkeit und Entfremdung entsteht.

Das Werk spielt auch mit einer möglichen sinnlichen Assoziation: Die Formen, die sich zusammenzuziehen scheinen, könnten an die unwillkürliche Geste erinnern, die entsteht, wenn jemand nach dem Biss in eine besonders saure Frucht die Stirn runzelt.

Klang als Teil der Metamorphose

Eine zentrale Rolle spielt die von Micha Seidenberg komponierte Klangkomponente. Elektronische Klänge begleiten die Bilder und tragen zur Konstruktion eines imaginären Raums bei, in dem die digitalen Wesen ihre eigene Form der Kommunikation zu entwickeln scheinen.

Die akustische Dimension begleitet das Video daher nicht einfach, sondern ist aktiv an der Gestaltung des Werkes beteiligt. Die animierten Formen scheinen den Raum auch durch Klang zu erkunden und schaffen so eine Beziehung zwischen dem Gesehenen und dem Gehörten.

Die Arbeit basiert somit auf einem Spannungsverhältnis zwischen gegensätzlichen Empfindungen. Anziehung und Ekel, Neugier und Irritation, Faszination und Unbehagen koexistieren in den Bildern, die durch die digitale Transformation organischer Materie entstehen.

Es ist genau diese Ambivalenz, die die Forschung des Künstlers kennzeichnet: Was zunächst vertraut erscheint, wird nach und nach in eine andere Dimension verschoben, in der der Ursprung der Objekte zwar noch wahrnehmbar ist, aber nicht mehr unmittelbar dominant.

Eine Brücke zwischen den Schweizer Sprachregionen

Die Zusammenarbeit zwischen videokunst.ch und PalaCinema Locarno ist Teil einer umfassenderen Vision, die darauf abzielt, den Dialog zwischen den verschiedenen kulturellen Realitäten der Schweiz zu fördern.

Das Projekt hat zum Ziel, im Laufe der Zeit Werke von Künstlern aus verschiedenen Regionen des Landes zu präsentieren. Es soll Begegnungsmöglichkeiten zwischen Kunstszenen schaffen, die zwar demselben nationalen Kontext angehören, sich aber durch unterschiedliche Sprachen, kulturelle Netzwerke und Referenzen entwickeln.

In diesem Sinne wird die zeitgenössische Videokunst in Locarno zum Ausgangspunkt eines Programms, das neue Verbindungen zwischen dem Tessin und anderen Schweizer Regionen fördern soll.

Die Wahl des PalaCinema als Veranstaltungsort des Projekts stärkt zudem die Verbindung zwischen künstlerischer Forschung und audiovisuellen Medien. Der bereits der Filmkultur und Bildproduktion gewidmete Raum bietet somit Raum für Aktivitäten, die das audiovisuelle Feld um experimentelle und künstlerische Praktiken erweitern.

Ein Programm, das dazu bestimmt ist, fortgesetzt zu werden

Das Treffen mit Valentina Pini stellt lediglich den ersten Schritt der Zusammenarbeit dar. Weitere Präsentationen sind in den kommenden Monaten geplant, um das Projekt fortzusetzen und dem Publikum neue Erfahrungen im Bereich bewegter Bilder zu ermöglichen.

Mit der Ankunft von videokunst.ch im Tessin erweitert sich somit die Präsenz zeitgenössischer Videokunst in der Region und es wird ein neues Ausstellungsformat in den Räumlichkeiten des PalaCinema eingeführt.

Für die Öffentlichkeit bietet die Initiative die Möglichkeit, sich mit Werken auseinanderzusetzen, die Video nicht nur als Mittel der Erzählung, sondern auch als Werkzeug zur Beeinflussung von Wahrnehmung, Materie und den Möglichkeiten des Bildes selbst nutzen.

Informationen

Vorschau und Künstlergespräch
Valentina Pini und Micha Seidenberg
4. September 2026, 18:00–19:30 Uhr
Im Anschluss werden Erfrischungen gereicht.

Installation
Mit zwei nackten Augen den Schleim auf dem Meeresgrund beobachten, 2019.
Valentina Pini
HD-Video, 16:9, Farbe und Ton, 2 Minuten und 48 Sekunden
Ton: Micha Seidenberg
Animation: Marcin Jeż

Eröffnungstermine
4 von September bis Oktober 31 2026

Platz
Foyer Public, PalaCinema Locarno
Piazza Remo Rossi 1, 6600 Locarno

Weitere Informationen: PalaCinema Locarno

Projektseite: videokunst.ch x PalaCinema Locarno