Vier Jahre nach der offiziellen Ankündigung des Projekts startet die Stadt Lugano mit dem Beginn der zweiten Phase den Lugano-Plan₿ neu . Gestern, am 3. März 2026, wurde mit Tether eine neue Absichtserklärung unterzeichnet, die an die am 3. März 2022 geschlossene Vereinbarung anknüpft. Das Dokument ersetzt nicht die ursprüngliche Vereinbarung, sondern erweitert deren Ziele und operativen Umfang und richtet die Initiative bis ins Jahr 2030 aus.
Während sich die erste Phase auf die Integration von Bitcoin- und Stablecoin-Zahlungen in das städtische Gefüge konzentrierte, liegt der Fokus der neuen Ausrichtung auf dem Aufbau einer widerstandsfähigen und interoperablen digitalen Infrastruktur, im Einklang mit der Vision von Lugano Duemilatrenta und der vom Stadtrat verabschiedeten Digitalstrategie 2025–2030.
Die Ergebnisse der ersten vier Jahre
Seit 2022 hat der Lugano-Plan schrittweise eine internationale Dimension angenommen. Auf akademischer Ebene wurden Universitätskurse und Forschungsprogramme zu Blockchain und dezentraler Finanzierung aktiviert, die in Zusammenarbeit mit Schweizer Universitäten und ausländischen Partnern wie der Polytechnischen Universität Turin und der Nationalen Universität Taiwan entwickelt wurden.
Gleichzeitig wurde PoW.space gegründet, ein physischer Knotenpunkt im Stadtzentrum, der Unternehmen und Startups aus dem Bitcoin- und Peer-to-Peer-Bereich beherbergt. Die Initiative hat die Ansiedlung von über hundert Fintech- und Blockchain-Unternehmen gefördert und so dazu beigetragen, Lugano als über die Landesgrenzen hinaus anerkanntes experimentelles Ökosystem zu positionieren.
Das Projekt hat seine Sichtbarkeit auch im Veranstaltungsbereich weiter ausgebaut. Das Plan₿ Forum – das nun zum fünften Mal stattfindet und für den 23. und 24. Oktober 2026 geplant ist – verzeichnete 2025 über 4.000 Teilnehmer aus sechzig Ländern und bestätigte damit seine Position als Schlüsselveranstaltung für den Sektor.
Operativ haben bereits über 400 städtische Unternehmen Zahlungssysteme in LVGA, BTC und USDT eingeführt. Auch Instrumente wie die Ausgabe digitaler Anleihen und die Möglichkeit, bestimmte Zahlungen an die Stadtverwaltung in digitaler Währung zu leisten, wurden eingeführt.
Vom urbanen Labor zur Infrastrukturstrategie
Das neue Memorandum definiert den Umfang des Lugano-Plans neu: Es geht nicht mehr nur um Anwendungstests, sondern um den Aufbau einer institutionellen digitalen Infrastruktur. Angesichts der weltweit zunehmenden Cyberrisiken und der wachsenden Abhängigkeit von großen Technologieanbietern ist das erklärte Ziel, die Fähigkeit der Stadt zu stärken, Daten, Dienste und Plattformen eigenständig zu verwalten.
Bürgermeister Michele Foletti betonte, dass die erste Phase gezeigt habe, dass Innovation möglich sei, ohne die institutionelle Stabilität zu gefährden. Die Regierung beabsichtigt, Lugano in der zweiten Phase mit einer Infrastruktur auszustatten, die langfristig die operative Kontinuität und die Entscheidungsautonomie sichert.
Leitprinzip bleibt das der schrittweisen Experimente: Pilotprojekte, Machbarkeitsstudien und anschließende Expansion erst dann, wenn messbare Ergebnisse und die vollständige Einhaltung der regulatorischen Vorgaben erreicht sind.
Die fünf Säulen der Phase II
Der Lugano-Plan ₿ | Phase II ist in fünf strategische Bereiche unterteilt:
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Institutionelle Infrastruktur für digitale Vermögenswerte : SwissLedger entwickelt sich zu einer Blockchain, die für Finanzinstitute und Unternehmen offen ist und die Möglichkeit bietet, reale Vermögenswerte zu tokenisieren und programmierbare Abrechnungen durchzuführen.
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Globaler Knotenpunkt für digitalen Handel und Rohstoffe : Digitalisierung von Waren, Verträgen und Handelsdokumenten mit sofortiger Abwicklung über Stablecoins.
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Dezentrale digitale Identität : Opt-in-Systeme mit Datenschutz auf Basis von Zero-Knowledge-Beweisen und bürgerlichen Wallets für den Zugang zu Diensten.
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Lokale KI : Entwicklung einer dezentralen KI-Infrastruktur und Test autonomer Agenten in kontrollierten Umgebungen.
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Verteilte urbane Infrastruktur : Peer-to-Peer-Netzwerke, dezentrale Speicherung und Rechenleistung zur Gewährleistung der Ausfallsicherheit kritischer Dienste.
Der Ansatz basiert auf Interoperabilität, Technologieneutralität, Cybersicherheit und Datenschutz durch Technikgestaltung in Übereinstimmung mit den geltenden Vorschriften.
Die Rolle von Tether und Governance
Die Zusammenarbeit mit Tether sieht einen voraussichtlichen Gesamtbeitrag von bis zu 5 Millionen Schweizer Franken für den Zeitraum 2026–2030 vor, vorwiegend in Form von Expertise, Infrastruktur und angewandter Forschung. Die Absichtserklärung stellt keinen verbindlichen Vertrag dar und begründet keine automatischen Ausgabenverpflichtungen für die Stadt; alle Projekte werden durch separate Durchführungsvereinbarungen geregelt.
Die Steuerung bleibt in der Verantwortung der zuständigen kommunalen Organe. Es wird erwartet, dass ein gemeinsamer Umsetzungsausschuss eingerichtet wird, der die Aktivitäten koordiniert und jährlich überprüft.
Die 2024 gegründete Plan Foundation wird weiterhin als operative Schnittstelle zwischen den Parteien fungieren. Zu ihren Direktoren gehören Denis Roio (wissenschaftlicher Direktor), Marco Argentieri (Innovation), Roberto Gorini (Ökosystem) und Massimo Morini (Bildung und akademische Beziehungen).
Für Paolo Ardoino , CEO von Tether, stellt Phase II einen Schritt hin zu einer robusteren Infrastruktur und der Entwicklung lokaler Expertise dar, mit dem Ziel, Lugano als globales Zentrum im Bereich der digitalen Infrastruktur zu unterstützen und gleichzeitig die öffentliche Verwaltung und die institutionelle Autonomie zu wahren.
Feierlichkeiten und gemeinschaftliches Engagement
Der vierte Jahrestag des Lugano Plan₿ wurde von öffentlichen Veranstaltungen begleitet. PoW.space veranstaltete eine Vorführung der neuesten Folge von Cypher Tank, einem Format, das während der Plan₿-Woche entwickelt wurde und in dem Startups, die in einem Wettbewerb ausgewählt wurden, ihre Präsentationen zeigen.
Im sportlichen Bereich wurde das Heimspiel des FC Lugano gegen den FC Sion als „Plan ₿ Match“ bezeichnet. Dies ist Teil der Partnerschaft, in der die Stadtinitiative bis 2029 als Hauptpartner des Vereins fungiert. An der Veranstaltung nahmen 700 Fans teil, die Freikarten gewannen. Sie stellt eine der letzten Initiativen im Cornaredo-Stadion dar, bevor die neue AIL Arena in der Saison 2026/2027 eröffnet wird.
Ein Entwicklungspfad bis 2030
Der Lugano-Plan₿ ist ein strategischer Positionierungsprozess, der von 2022 bis 2030 läuft. Sein erklärtes Ziel ist es, nicht nur neue Technologien einzuführen, sondern auch deren Nutzung und Steuerung im öffentlichen Interesse mitzugestalten.
Die Reduzierung kritischer Abhängigkeiten, die Stärkung der Resilienz, die Entwicklung lokaler Kompetenzen und der Schutz personenbezogener Daten bilden die Eckpfeiler dieser neuen Phase. In einem sich rasch wandelnden internationalen Umfeld will Lugano seine Rolle als urbanes Labor und replizierbare digitale Innovationsplattform festigen und dabei Transparenz, messbare Vorteile und institutionelle Verantwortlichkeit in den Mittelpunkt stellen.
Lugano, die Hauptstadt von Bitcoin: Das Plan₿ Forum 2025 bringt über 4000 Teilnehmer ins Tessin.



