Die Weiterbildung im Tessin baut ihre Zusammenarbeit mit dem Centro Studi Villa Negroni (CSVN) an der SUPSI aus. Der vom Staatsrat gebilligte Beschluss ist ein Schritt zur Stärkung der Koordination zwischen Hochschulbildung, beruflicher Weiterbildung und den Bedürfnissen des wirtschaftlichen Zentrums des Kantons.

Die im Juli unterzeichnete Vereinbarung tritt am 1. September 2026 formell in Kraft. Das Studienzentrum Villa Negroni behält seine rechtliche, strategische, organisatorische und finanzielle Autonomie, wird aber durch eine strukturierte Beziehung mit der Fachhochschule Südschweiz in die Hochschulpolitik des Kantons integriert.

Hierbei handelt es sich nicht um eine echte institutionelle Integration, sondern vielmehr um die Schaffung eines stabilen Kooperationsrahmens zwischen zwei Einrichtungen, die bereits seit Jahren gemeinsame Initiativen im Bereich der Weiterbildung verfolgen.

Das Studienzentrum Villa Negroni ist seit 1990 aktiv, als es auf Initiative des Tessiner Bankenverbandes gegründet wurde. 2009 wurde es in eine Stiftung umgewandelt und hat im Laufe der Jahre seinen Tätigkeitsbereich sukzessive erweitert. Ursprünglich lag der Fokus auf dem Bankensektor, mittlerweile bietet das Zentrum auch Dienstleistungen für die Bereiche Finanzen, Versicherungen und Treuhandwesen an.

Eine Beziehung, die auf einer bereits gefestigten Zusammenarbeit aufbaut

Die Kooperation mit SUPSI schließt damit einen bereits laufenden Prozess ab. Die beiden Institutionen arbeiten seit Langem bei der Konzeption und Durchführung von Weiterbildungsmaßnahmen zusammen, darunter auch Programme für Fachkräfte, die ihre Kenntnisse aktualisieren oder zertifizieren lassen möchten.

Ein Beispiel hierfür ist das TREX-Programm zur Vorbereitung auf die bundesstaatlichen Prüfungen für Treuhänder, das vom SUPSI Tax and Legal Competence Center in Zusammenarbeit mit dem CSVN entwickelt wurde. Das Programm kombiniert Rechnungswesen, Steuern, Wirtschaftsprüfung und Rechtsthemen mit Inhalten aus den Bereichen Treuhandwesen und Wirtschaftsberatung.

Die neue Vereinbarung zielt darauf ab, diese Zusammenarbeit organischer zu gestalten und führt Formen der Koordinierung sowohl auf strategischer als auch auf operativer Ebene ein.

Das erklärte Ziel besteht darin, Kompetenzen, Erfahrungen und berufliche Netzwerke zu bündeln, Überschneidungen zu vermeiden und die Entwicklung von Ausbildungsprogrammen zu fördern, die mit dem sich wandelnden Arbeitsmarkt Schritt halten.

Von traditionellen Finanzdienstleistungen zu neuen Kompetenzen

Einer der wichtigsten Aspekte des Abkommens betrifft dessen inhaltliche Weiterentwicklung. Der Finanzsektor im Tessin befindet sich in einem Transformationsprozess, der nicht nur die Regulierung und Organisationsmodelle, sondern auch Technologie, Nachhaltigkeit und die Ausübung vieler Berufe betrifft.

CSVN bietet bereits eine breite Palette von Dienstleistungen in verschiedenen Bereichen an, darunter Versicherungen und Renten, Bank- und Finanzwesen, Unternehmensführung, Risikomanagement und Compliance, interdisziplinäre Kompetenzen, Recht und Steuern, digitale Finanzen und künstliche Intelligenz.

Der Schulungskalender 2026 verdeutlicht ebenfalls den wachsenden Fokus auf diese Bereiche. Zum Angebot gehören Kurse zu künstlicher Intelligenz in der Versicherungsberatung, zum Einsatz von KI bei der Dokumentenprüfung sowie zu Governance- und Verantwortlichkeitsprofilen im Zusammenhang mit KI.

Nachhaltigkeit stellt ein weiteres Feld dar, auf dem die Zusammenarbeit ausgebaut werden kann. Die Möglichkeit, gemeinsam neue Aktivitäten zu entwickeln, sollte es ermöglichen, die Fachkompetenz des CSVN mit dem akademischen und beruflichen Netzwerk der SUPSI zu verknüpfen.

Ein Angebot speziell für Berufstätige

Weiterbildungsangebote richten sich vorwiegend an Berufstätige. Daher ist die Möglichkeit, Inhalte, Dauer und Lehrmethoden an die spezifischen Bedürfnisse von Unternehmen anzupassen, ein Schlüsselelement der Vereinbarung.

Der CSVN-Katalog umfasst strukturierte Schulungen, Einzelmodule, Berufszertifizierungen, Hochschulzertifikate und Kurzzeit-Auffrischungskurse. CAS-Kurse können insbesondere zwischen 80 und 160 Stunden dauern und zum Erwerb von ECTS-Punkten führen, während Seminare, Webinare und Workshops gezieltere Auffrischungskurse anbieten.

Die Zusammenarbeit mit SUPSI sollte es uns daher ermöglichen, unser bereits vielfältiges Angebot zu erweitern und dabei den Bedürfnissen von Fachleuten und Unternehmen besondere Aufmerksamkeit zu widmen.

Es geht hier nicht nur um die Umschulung von bereits Beschäftigten. Eine stärkere Verzahnung von Ausbildung und Arbeitswelt kann auch die Fähigkeit der Region beeinflussen, neue Fachkräfte auszubilden, insbesondere in Branchen, die sich in einem raschen Wandel befinden.

Das Problem der Qualifikationen im Finanzsektor

Für das Tessin ist der Bericht aufgrund der anhaltenden Bedeutung von Finanzdienstleistungen für die kantonale Wirtschaft besonders relevant. Das Studienzentrum Villa Negroni wurde eigens gegründet, um die Entwicklung von Berufen im Finanzsektor durch Schulungen zu fördern.

Im Laufe der Jahre hat das Unternehmen seine Aktivitäten auf ein breiteres Spektrum an Fachgebieten ausgeweitet, darunter Bankwesen, Treuhandwesen, Versicherungen und Rechts- und Finanzdienstleistungen. Zum aktuellen Angebot gehören außerdem berufliche und universitäre Zertifizierungen, Auffrischungskurse und Aktivitäten für spezifische Berufsgruppen.

Die Herausforderung wird nun darin bestehen, diese Spezialisierung beizubehalten und gleichzeitig weiterhin mit einem Universitätssystem zusammenzuarbeiten, das Expertise in sehr unterschiedlichen Bereichen umfasst.

Für SUPSI liegt der Vorteil darin, die Beziehungen zum Banken- und Finanzsektor zu stärken und zeitnahere Informationen über die sich wandelnden beruflichen Anforderungen der Unternehmen zu erhalten. Ziel ist es, eine kontinuierliche Verbindung zwischen den Veränderungen des Arbeitsmarktes und der Entwicklung von Aus- und Weiterbildungsprogrammen zu fördern.

Lehrer, Kooperationspartner und gemeinsame Veranstaltungen

Die Vereinbarung umfasst auch die gegenseitige Einbindung von Dozenten und Mitarbeitern. Die beiden Institutionen werden somit in der Lage sein, ihre Expertise und Professionalität bei der Gestaltung von Bildungsaktivitäten zu bündeln.

Die gemeinsame Entwicklung neuer Ausbildungsprogramme und Veranstaltungen ist ebenfalls geplant. Dieser Ansatz könnte den Dialog zwischen Wissenschaft, Fachleuten und Unternehmen intensivieren, insbesondere bei Themen, die interdisziplinäre Expertise erfordern.

Die Leitung der Zusammenarbeit wird der CSVN-Direktion und der SUPSI-Direktion für Forschung, Weiterbildung, Entwicklung und Wissenstransfer (RFCST) übertragen.

Alberto Piatti, Direktor des RFCST SUPSI, sieht die Kooperation als einen wichtigen Schritt in der Weiterentwicklung des kantonalen Bildungssystems. Laut Piatti kann die Zusammenarbeit zweier bereits etablierter und sich ergänzender Institutionen dazu beitragen, die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit des Tessins in ihren jeweiligen Sektoren zu steigern.

Tamara Erez, Direktorin des Studienzentrums Villa Negroni, betont das Potenzial, die Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal und die Attraktivität von Bank- und Finanzberufen im Tessin zu beeinflussen.

Autonomie erhalten, Zusammenarbeit strukturierter

Ein Schlüsselelement der Vereinbarung betrifft die Art der institutionellen Beziehung. Das CSVN behält seine Autonomie und verfügt weiterhin über seine eigene rechtliche, strategische, organisatorische und finanzielle Struktur.

Die Mitgliedschaft bei SUPSI führt jedoch zu einer neuen Ebene der Koordination. Durch die Einbindung in die Hochschulpolitik des Kantons wird das Studienzentrum in ein umfassenderes System eingebettet, in dem spezialisierte berufliche Weiterbildung in einen strukturierten Dialog mit universitären Aktivitäten treten kann.

Es handelt sich um ein Modell, das weniger auf die Verschmelzung von Identitäten als vielmehr auf deren Komplementarität setzt. Einerseits bleibt die Spezialisierung von CSVN auf die Bereiche Finanzen, Versicherungen und Treuhandwesen bestehen; andererseits bietet SUPSI ein breiteres akademisches und Forschungsnetzwerk.

Eine Zusammenarbeit, die sich mit den Transformationen der Arbeit befasst

Die erste Bewährungsprobe wird die Fähigkeit sein, die Vereinbarung in konkrete Maßnahmen umzusetzen. Die Entwicklung der künstlichen Intelligenz, der Übergang zu nachhaltigeren Wirtschaftsmodellen, gestiegene regulatorische Anforderungen und die digitale Transformation des Finanzdienstleistungssektors verändern die erforderlichen Kompetenzen von Fachkräften rasant.

In diesem Kontext ist Weiterbildung nicht nur ein Instrument der individuellen Entwicklung. Sie wird auch zu einem Schlüsselfaktor für die regionale Wettbewerbsfähigkeit und ermöglicht es Unternehmen, Kompetenzen zu nutzen, die den laufenden Transformationsprozessen gerecht werden.

Das aktuelle Angebot von CSVN unterstreicht diese Richtung mit Kursen, die traditionelle Finanz- und Rechtsbereiche mit Themen aus den Bereichen künstliche Intelligenz, Compliance und neuen Beratungsbedürfnissen verbinden.

Die Zusammenarbeit mit SUPSI könnte daher einen weiteren Schritt beim Aufbau eines Bildungssystems darstellen, das in der Lage ist, die Entwicklung des Wirtschaftszentrums Tessin zu begleiten.

Die neue Phase beginnt am 1. September.

Die Vereinbarung soll am 1. September 2026 in Kraft treten. Ab diesem Datum wird die neue Struktur der Zusammenarbeit zwischen SUPSI und der Villa Negroni Study Center Foundation Gestalt annehmen.

Entscheidend wird sein, zu bewerten, wie viel die neue Struktur im Hinblick auf gemeinsame Vorschläge, Wissenstransfer und die Reaktion auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes leisten kann. Ausgangspunkt ist eine bestehende Zusammenarbeit zweier Organisationen mit unterschiedlichen, aber sich ergänzenden Kompetenzen.

Für das Tessin ist das Projekt Teil des umfassenderen Themas der Weiterbildung und der Fähigkeit der Region, ihr berufliches Kapital zu aktualisieren. Dies ist ein Thema, das in einer Wirtschaft, in der digitale Kompetenzen, Fachwissen und Anpassungsfähigkeit immer wichtiger werden, zunehmend an Bedeutung gewinnen wird.