Da der Verlust meines Vaters im vergangenen Oktober nicht nur in den Herzen unserer gesamten Familie, sondern auch bei den vielen Tessinern, die sich in seinem Gedenken um uns versammelt haben, eine große Lücke hinterlassen hat, begleitet mich ein Gedanke, der meinen Schmerz, wenn möglich, noch verstärkt.

Ich habe mit Gefühl und Verstand die unbestreitbare Tatsache gespürt, dass mit seinem Verschwinden, mit dem meines Onkels Sergio und mit dem anderer sehr geliebter und beliebter Frauen und Männer leider eine Generation aussergewöhnlicher Persönlichkeiten verschwindet, die uns mit Mut, Hartnäckigkeit, Tatendrang und Leidenschaft dieses Tessin geschenkt haben, das wir allzu oft als ein Gut und ein endgültig erworbenes Recht betrachten.

Die Pflicht zur Erinnerung ist eine grundlegende Voraussetzung für den Aufbau und die Bewahrung der eigenen Identität. Erinnerung ist nicht nur ein Erbe vergangener Erfahrungen, sondern ein aktives Element, das unsere Wahrnehmung der Welt und uns selbst prägt. Durch Erinnerungen bauen wir persönliche Erzählungen auf, die unseren Handlungen und Entscheidungen Bedeutung verleihen.

Das kollektive Gedächtnis verbindet Individuen auch mit Gemeinschaften und ermöglicht es, Traditionen und Werte am Leben zu erhalten. Die Vergangenheit zu ignorieren bedeutet, einen Teil unserer Identität aufzugeben: In diesem Sinne wird das Erinnern zu einem Akt der Verantwortung gegenüber uns selbst und zukünftigen Generationen.

Diese Überlegungen führten mich zusammen mit der Ausarbeitung von Tessin Willkommen, den Entschluss zu fassen, eine neue Rubrik des Magazins zu schaffen, in der ab dieser Ausgabe einige Interviews mit führenden Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Leben im Tessin veröffentlicht werden.

Wertvolle Zeugnisse, tief empfunden und geteilt, an die man sich erinnert, indem man auf die eigene persönliche Erfahrung, das direkte Wissen und oft auch auf die Freundschaft mit meinem Vater zurückgreift. Gleichzeitig aber auch eine oft unveröffentlichte Geschichte darüber, was das Tessin war und wie es sich verändert hat, auch dank des Beitrags derer, die die Leidenschaft, den Mut und die Liebe zu diesem wunderbaren Land in den Vordergrund stellen wollten und zu vermitteln wussten.

Das Fresko, das aus diesen Beiträgen entsteht, ist eine Einladung, das anspruchsvolle moralische Erbe, das uns unsere Väter hinterlassen haben, mit demselben Unternehmungsgeist, derselben Vision und demselben Wunsch, gemeinsam etwas aufzubauen, wieder in die Hand zu nehmen.