Vom 26. April 2026 bis zum 10. Januar 2027 widmet das Vincenzo-Vela-Museum in Ligornetto seine Frühjahrssaison einer der originellsten Stimmen der europäischen Gegenwartskunstszene. Bertille Bak. Stimmen der ErdeDie Tessiner Institution präsentiert die erste große Einzelausstellung des französischen Künstlers in der Schweiz, der international für seine Praxis bekannt ist, die Film, bildende Kunst und Feldforschung miteinander verbindet.
Die am 25. April eröffnete Ausstellung ist Teil eines kuratorischen Projekts, das die Sprachen der Gegenwart und ihren Dialog mit der Geschichte, Architektur und dem öffentlichen Auftrag des Museums untersucht. In diesem Kontext findet Bertille Baks Werk ein besonders fruchtbares Umfeld: Ihre Arbeiten hinterfragen die Beziehungen zwischen Individuen und Gemeinschaften, zwischen Verwurzelung und Transformation, zwischen Erinnerung und sozialem Wandel.
Eine Kunst, die mit Gemeinschaften entsteht
Bertille Bak, geboren 1983 in Arras, hat im Laufe der Jahre eine Forschung entwickelt, die auf direkten Begegnungen mit oft marginalisierten oder unterrepräsentierten sozialen Gruppen basiert. Ihre Werke entstehen aus langen Aufenthalten in lokalen Gemeinschaften, in denen die Künstlerin Zeugnisse sammelt, Alltagspraktiken beobachtet und vertrauensvolle Beziehungen zu den beteiligten Menschen aufbaut.
Das Ergebnis sind Videoinstallationen, Filme und Erzählformen, die sich traditionellen Dokumentarfilmkategorien entziehen. Die reale Dimension verwebt sich mit performativen, ironischen und mitunter fantastischen Elementen und lässt so chorische Erzählungen entstehen, in denen die Protagonisten zu Mitautoren des Werkes selbst werden.
Stimmen der Erde: Eine Reise durch Arbeit, Identität und Widerstand
Die Ausstellung vereint eine bedeutende Auswahl an Werken, die in den letzten fünfzehn Jahren entstanden sind. Gemeinsamer Nenner ist die Beziehung zwischen Gemeinschaften und ihrer Lebensumgebung, wobei besonderes Augenmerk auf die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Transformationen gelegt wird, die Territorien und Identitäten neu definieren.
Bergleute, Arbeiter, Bauern, Fischer, Handwerker, aber auch Gruppen, die von Migration oder dem Verlust lokaler Traditionen betroffen sind: Baks Werke erzählen Geschichten von Widerstandsfähigkeit und Anpassung, ohne dabei beschönigend zu wirken. Die Künstlerin beobachtet die Prozesse des globalen Wandels anhand der konkreten Erfahrungen derer, die sie täglich erleben.
Der Titel Stimmen von der Erde Es erinnert genau an diese Dimension: an das Zuhören der Menschen, Orte und Erinnerungen, die Gefahr laufen, von der Geschwindigkeit der gegenwärtigen Veränderungen überrollt zu werden.
Dialog mit dem Vincenzo-Vela-Museum
Die Ausstellung entstand in enger Verbindung mit den Räumlichkeiten des Vincenzo-Vela-Museums. Die historischen Räume beherbergen immersive Werke, die einen anregenden Vergleich zwischen dem Erbe des Museums aus dem 19. Jahrhundert und der Sprache der zeitgenössischen Kunst ermöglichen.
Dieser Dialog zwischen verschiedenen Epochen vertieft einige der zentralen Fragen von Baks Forschung: den Wert des kollektiven Gedächtnisses, die Darstellung von Arbeit und die Konstruktion sozialer Identitäten. Diese Themen, obwohl sie mit zeitgenössischen Mitteln und Sensibilitäten angegangen werden, finden ein unerwartetes Echo in der Geschichte des Ortes selbst.
Ein international anerkannter Künstler
Bertille Bak hat im Laufe ihrer Karriere in bedeutenden internationalen Institutionen ausgestellt. Ihre Werke befinden sich in renommierten Sammlungen, darunter im Centre Pompidou, im Musée d'art moderne de la Ville de Paris, im Fonds national d'art contemporain, in der Fondation Merz und in der Collection François Pinault.
Zu ihren Auszeichnungen zählen der Edward-Steichen-Preis Luxemburg (2009) und der Mario-Merz-Preis (2019). 2023 stand sie auf der Shortlist für den Prix Marcel Duchamp, einen der renommiertesten Preise für zeitgenössische Kunst in Frankreich. 2025 verlieh ihr die Französische Republik den Titel Chevalière des Arts et des Lettres.
Ein Programm aus Treffen und kultureller Vermittlung
Begleitend zur Ausstellung bietet das Museum ein umfangreiches Programm mit öffentlichen Veranstaltungen, Führungen und weiterführenden Aktivitäten. Ziel ist es, die Besucher zur direkten Auseinandersetzung mit den Themen der Ausstellung anzuregen und die Interpretationsmöglichkeiten der Werke zu erweitern.
Besonderes Augenmerk liegt auf der Kulturvermittlung, ganz im Sinne des partizipativen Ansatzes von Bak. Konferenzen, Workshops und Treffen bieten der Öffentlichkeit die Möglichkeit, mit Wissenschaftlern, Kuratoren und Branchenexperten in Kontakt zu treten.
Eine Publikation, die tiefer in die Materie eintauchen möchte.
Die Ausstellung wird von dem Band begleitet. Bertille Bak. Stimmen der ErdeDie von Antonia Nessi herausgegebene und mit Texten von Antonia Nessi und Mohamed El Khatib versehene 84-seitige Publikation ist ein wertvolles Hilfsmittel, um die Forschung der Künstlerin in ihren Kontext einzuordnen und ihre zentralen Themen zu erkunden.



