Der Bundesrat Ignazio Cassis wurde in Bellinzona vom Staatsrat des Tessins zu einer Sitzung empfangen, die einigen der heikelsten Dossiers für die Kanton und für die Beziehungen zum Bund. Das Treffen wurde vom Präsidenten der Tessiner Regierung geleitet. Claudio Zali, beteiligt war auch der Generalsekretär des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten, Markus Seiler, zusammen mit einer Delegation von Mitarbeitern der Bundesregierung.
Im Mittelpunkt der Diskussion standen Fragen, die das wirtschaftliche, institutionelle und kulturelle Gleichgewicht des Tessins unmittelbar beeinflussen. Zu den behandelten Themen gehörten die Beziehungen zwischen der Schweiz und Italien, der interkantonale Finanzausgleich, die Ausgabenbegrenzungsmaßnahmen des Bundes und die Rolle der italienischen Sprache in den föderalen Institutionen.
Laut Kantonsregierung fand das Treffen in einer offenen und konstruktiven Atmosphäre statt, in einer Zeit, die von internationalen Spannungen, wirtschaftlichen Umbrüchen und neuen Herausforderungen für die Beziehungen zwischen Bern und den Kantonen geprägt ist. Die Tessiner Regierung betonte die Wichtigkeit des regelmäßigen Dialogs mit der Eidgenossenschaft, der ihrer Ansicht nach unerlässlich für den Erhalt des nationalen Zusammenhalts ist.
Die Beziehungen zwischen der Schweiz und Italien stehen im Mittelpunkt des Treffens
Ein bedeutender Teil des Treffens war den Beziehungen zwischen der Schweiz und Italien gewidmet, die für das Tessin sowohl wirtschaftlich als auch aufgrund ihrer Auswirkungen auf den grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt als strategisch wichtig angesehen werden.
Der Staatsrat hat Bedenken hinsichtlich mehrerer in den letzten Monaten aufgetretener Probleme geäußert, darunter die geplante italienische „Gesundheitssteuer“ und Vorschläge im Zusammenhang mit „Sonderwirtschaftszonen“. Laut der Tessiner Regierung könnten diese Probleme direkte Auswirkungen auf den Kanton und seine Beziehungen zu den Grenzgebieten haben.
Die während des Treffens geäußerte Hoffnung war, dass der bilaterale Dialog mit Unterstützung der Eidgenossenschaft fortgesetzt werden könne, um so gemeinsame Lösungen zu fördern und die für das Tessin als wesentlich erachteten guten nachbarschaftlichen Beziehungen aufrechtzuerhalten.
Kritikpunkte am Finanzausgleichssystem
Während des Treffens betonte die Tessiner Regierung auch die öffentlichen Finanzen und das wachsende Ungleichgewicht zwischen Kantonen mit größeren wirtschaftlichen Ressourcen und solchen, die als fragiler gelten.
Laut kantonaler Exekutive ist das derzeitige System des innerkantonalen Finanzausgleichs nicht mehr ausreichend, um die in den letzten Jahren entstandenen Ungleichheiten zu beheben. Bellinzona bekräftigte daher seine Forderung nach einer Überprüfung des bestehenden Modells, da er befürchtet, dass das Ausbleiben von Korrekturmaßnahmen die föderale Solidarität und den nationalen Zusammenhalt beeinträchtigen könnte.
Die Angelegenheit ist Teil einer umfassenderen Debatte zwischen mehreren Schweizer Kantonen über die Umverteilung von Ressourcen innerhalb der Eidgenossenschaft.
Die Förderung der italienischen Sprache und das Projekt Palazzo Trevisan
Zu den besprochenen Punkten gehörten die Förderung der italienischen Sprache in der Schweiz und die Präsenz italienischsprachigen Personals in der Bundesverwaltung.
Der Staatsrat begrüßte die Möglichkeit, Inhalte auf der Kulturplattform des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten im Palazzo Trevisan in Venedig zu entwickeln. Die Initiative wird als Chance gesehen, die Sichtbarkeit des Tessins zu stärken und die Region durch kulturelle und institutionelle Projekte zu fördern.
Für die Regierung des Tessins bleibt die Präsenz des Italienischen in den föderalen Institutionen ein Schlüsselelement, um sprachliches Gleichgewicht und Repräsentativität innerhalb der Eidgenossenschaft zu gewährleisten.
Auf dem Weg zum OSZE-Ministerrat in Lugano
Das Treffen zwischen der Tessiner Regierung und Ignazio Cassis Es ermöglichte uns auch, eine Bestandsaufnahme der Vorbereitungen für die jährliche Ministerkonferenz derOrganisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, festgesetzt auf Lugano 3. und 4. Dezember 2026.
Die Veranstaltung zählt zu den wichtigsten diplomatischen Ereignissen, die die Schweiz in den kommenden Jahren ausrichtet, und rückt das Tessin in den Mittelpunkt der internationalen Aufmerksamkeit. Das Organisationsteam arbeitet bereits an der Koordination der logistischen und sicherheitstechnischen Aspekte des multilateralen Treffens.



