Dr. Massimo Barbieri, Spezialist für Anästhesiologie und interventionelle Schmerztherapie an der Ars Medica Clinic, erklärt die Bedeutung der Schmerztherapie als Zweig der Medizin, der sich der Prävention, Bewertung und Behandlung von Schmerzen in ihren chronischen und akuten Formen widmet.
Nach seinem Abschluss in Medizin und Chirurgie an der Universität Mailand und der Spezialisierung auf Anästhesie und Reanimation an der Universität Pavia behandelt Dr. Massimo Barbieri seit vielen Jahren chronische Schmerzen. Er verfügt außerdem über eine zusätzliche internationale Zertifizierung (FIPP) in interventioneller Schmerztherapie. Dr. Massimo Barbieri wurde kürzlich von zwei weiteren Kollegen verstärkt: Dr. Lorenz Wagner und Dr. Eva Koetsier, MD, vervollständigen das Team. Das Team begleitet Patienten während des gesamten Prozesses, von der Diagnose über die pharmakologische Unterstützung bis hin zu nicht-chirurgischen Eingriffen. Im klinischen Alltag leiden die meisten Patienten unter Schmerzen im Zusammenhang mit Wirbelsäulenerkrankungen.
Bei Ars Medica haben Sie eine Spezialeinheit für Schmerztherapie eingerichtet. Was beinhaltet diese? Was ist interventionelle Schmerztherapie und welche Vorteile bietet sie?
„Interventionelle Schmerzbehandlungsverfahren stellen einen innovativen Ansatz zur Behandlung von Wirbelsäulenerkrankungen dar. Diese Techniken zielen darauf ab, Schmerzen zu lindern und die Funktionsfähigkeit des Patienten zu verbessern.“ Sie sind wertvolle und wichtige Techniken in allen Situationen, in denen eine Operation nicht notwendig ist. Es ist zu beachten, dass Patienten mit einer echten Operationsindikation nur einen sehr kleinen Prozentsatz der überwiegenden Mehrheit der Menschen mit Rückenschmerzen ausmachen. Um das Ausmaß des Problems in der Allgemeinbevölkerung besser zu verstehen, sollte man bedenken, dass laut Literaturdaten fast 75 % der Bevölkerung irgendwann in ihrem Leben unter Rückenschmerzen leiden.
Welche Verfahren werden im Einzelnen hauptsächlich durchgeführt?
Vor jedem Eingriff ist eine genaue Diagnose unerlässlich. Bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT) oder die Computertomographie (CT) dienen der Identifizierung des spezifischen Wirbelsäulenproblems. Der Einsatz fortschrittlicher Technologien wie Ultraschall oder Fluoroskopie ist für die korrekte und sichere Durchführung aller Eingriffe unerlässlich. Eines der am häufigsten angewandten Verfahren ist die Epiduralinjektion. Diese Technik gehört zum Fachgebiet der Anästhesiologie und wird seit Kurzem auch in der interventionellen Schmerztherapie eingesetzt. Sie ermöglicht die präzise und sichere Injektion einer kleinen Menge Lokalanästhetikum und Kortison genau an der Stelle der Wirbelsäule, an der der Schmerz entsteht. Epiduralinjektionen sind eine Kombination verschiedener Techniken und werden zur Linderung von Schmerzen eingesetzt, die durch Entzündungen oder Reizungen der von der Wirbelsäule ausgehenden Nervenstrukturen (z. B. des Ischiasnervs) verursacht werden. Auf einer etwas fortgeschritteneren Ebene gibt es Radiofrequenzbehandlungen. Diese nutzen ein spezielles elektromagnetisches Feld, das die Übertragung elektrischer Signale innerhalb der schmerzleitenden Nerven unterbricht und sich besonders bei der Behandlung chronischer Schmerzen bewährt hat. Vor der Behandlung wird der Patient untersucht, um die genaue Stelle zu bestimmen, an der die Radiofrequenz angewendet wird. In dieser vorbereitenden Phase werden mehrere Testinjektionen unter Röntgenkontrolle durchgeführt. Dies ist besonders wichtig, da die Radiofrequenz eine hochselektive und spezifische Behandlung ist, die ohne die genaue Anwendung an der richtigen Stelle unwirksam wäre.
Welche Verfahren stellen neue Maßstäbe in der Behandlung von Wirbelsäulenerkrankungen dar?
Die Neurostimulation des Rückenmarks ist eine zunehmend eingesetzte Therapiemethode zur Behandlung chronischer Schmerzen, insbesondere bei Patienten mit Wirbelsäulenerkrankungen. In diesem Bereich sind die technologischen Fortschritte am deutlichsten erkennbar. Bei diesem Ansatz wird ein elektrisches Stimulationsgerät implantiert, das Impulse an das Rückenmark sendet. Diese Impulse stören die Übertragung von Schmerzsignalen an das Gehirn und verringern so deren Wahrnehmung. Das Gerät besteht aus einem Impulsgenerator, der meist unter die Haut implantiert wird, und Elektroden, die in der Wirbelsäule in der Nähe des Rückenmarks platziert werden. Neurostimulation ist besonders wirksam bei neuropathischen Schmerzen und kann die Lebensqualität der Patienten verbessern, sodass sie ihren Alltag wieder aufnehmen können. Eine sorgfältige Patientenauswahl und die Durchführung des Verfahrens durch erfahrenes Fachpersonal sind entscheidend.
Es wird viel über regenerative Medizin gesprochen. Stellt sie auch in Ihrem Interventionsbereich eine mögliche Lösung dar?
Eine der vielversprechendsten Anwendungen ist die Verwendung von Wachstumsfaktoren und Stammzellen aus Knochenmark oder Fettgewebe. Diese können sich in Zellen aus anderen Geweben differenzieren und so möglicherweise zur Schmerzlinderung beitragen, indem sie entzündliche und degenerative Prozesse im erkrankten Gewebe hemmen. Die regenerative Medizin bietet daher neue Hoffnung für Patienten mit Erkrankungen wie Bandscheiben-, Bänder- und anderen Wirbelsäulenerkrankungen. Sie befindet sich jedoch noch in der Forschungsphase, und es sind weitere Studien erforderlich, um die Wirksamkeit und Langzeitsicherheit dieser Therapien zu bestimmen.



