Welche architektonischen und baulichen Hauptmerkmale bestimmen laut der Erfahrung von SIT Immobiliare heutzutage den wirtschaftlichen Wert neuer Immobilien?
Heutzutage konzentrieren sich die gefragtesten Renovierungen auf fortschrittliche Sanierungsmethoden zur Senkung der Betriebskosten. Käufer legen vor allem Wert auf niedrige Energie- und Wohngeldkosten und achten daher besonders auf eine leistungsstarke Wärmedämmung, die oft über den gesetzlichen Mindestanforderungen liegt, sowie auf moderne, hocheffiziente Systeme: Photovoltaikanlagen, Wärmerückgewinnungssysteme und Wärmepumpen für Heizung und Kühlung. Die Ästhetik spielt weiterhin eine wichtige Rolle, Priorität hat jedoch die langfristige Kostenstabilität. Ein konkretes Beispiel ist die kürzlich erfolgte Sanierung der Residenza Concordia: Wärmedämmung, neue Fenster und Türen, neue Photovoltaikanlagen und die komplette Erneuerung der Heizungsanlage. So können die jährlichen Wohngeldkosten für eine Zweizimmerwohnung von 50–60 m² auf etwa 2.000–3.000 Franken gesenkt werden, verglichen mit den derzeitigen 4.000–5.000 Franken für viele weniger effiziente Gebäude.
Hat Nachhaltigkeit also einen erheblichen Einfluss auf die Anforderungen Ihrer Kunden?
Nachhaltigkeit ist zentral geworden und heute Standard, nicht nur ein Pluspunkt. Kunden bewerten Materialien, Dämmung, Energiespartechnologien und insbesondere die zukünftigen Instandhaltungskosten. Auch Immobilienentwickler passen ihre Projekte an diese Nachfrage an: Investoren wollen, dass ihre Immobilien nicht nur heute, sondern auch in zehn Jahren noch wettbewerbsfähig sind.
Auf welche städtischen Gebiete im Tessin konzentrieren Sie sich am meisten?
Die begehrtesten Wohngegenden liegen in fußläufiger Entfernung zum Stadtzentrum von Lugano: Komfort, gute Infrastruktur und weniger Autoverkehr. Paradiso und Massagno sind nach wie vor sehr attraktiv, ebenso wie Cassarate mit Seeblick, direktem Zugang zum Lido, Supermärkten und weiteren Annehmlichkeiten. Familien suchen verstärkt nach nachhaltigen Transportmitteln, oft E-Bikes, um teure Parkgebühren und den Stadtverkehr zu vermeiden. Auch die Qualität der Parkplätze rückt stärker in den Fokus: Bauträger verzichten nun auf übermäßig tiefe Tiefgaragen, insbesondere in Seenähe, um Wassereintritt und kostspielige Instandhaltung zu verhindern.
Welche aktuellen Trends zeichnen sich bei der Nachfrage nach Wohnungsbauprojekten im Tessin ab?
«Sit Real Estate Das Unternehmen bietet Lösungen mit niedrigen Betriebskosten, hochwertigen Systemen, Nachhaltigkeit und komfortablen Serviceleistungen. Selbst wohlhabende Kunden meiden heutzutage teure Eigentumswohnungen: Schwimmbäder, Spas und Gemeinschaftsparks sind zwar beliebt, aber nur wenige sind bereit, die jährlichen Wartungskosten von bis zu 2.000 Franken pro Monat zu tragen.
Wie gehen Sie mit der steigenden Nachfrage internationaler Kunden um?
Internationale Kunden haben andere Bedürfnisse als einheimische Kunden. Der Hauptunterschied liegt im Bildungsbereich: Viele ausländische Familien entscheiden sich für internationale Schulen und bevorzugen Gegenden wie Sørengo, Collina d'Oro, Castagnola oder die Hügel von Lugano mit ihren großzügigen, grünen Wohngebieten und großen Grundstücken (oft 200–500 m²). Entfernungen werden unterschiedlich wahrgenommen: Für Ausländer sind 20–30 Autominuten normal, für Einheimische hingegen zu lang. Um diese Kundengruppe zu gewinnen, arbeiten wir mit Experten für internationale Umzüge zusammen, beispielsweise mit einem amerikanischen Experten, der US-Kunden bei ihrem Umzug ins Tessin unterstützt.
Beschäftigen Sie sich auch mit Immobilien im Ausland?
„Ja, aber für uns sind internationale Märkte in erster Linie eine Reaktion auf die lokale Nachfrage. Viele Tessiner Kunden wünschen sich Zweitwohnsitze in Ligurien, der Toskana oder Sardinien. Aus diesem Grund haben wir Partnerschaften mit Schweizer Bauträgern geschlossen, die in diesen Regionen investieren. Wir wickeln den Vertrieb von hier aus ab und stellen so die Zuverlässigkeit des Produkts und des Bauträgers sicher. Darüber hinaus betreuen wir Großprojekte mit etablierten Bauträgern, die sowohl im Tessin als auch darüber hinaus bauen. Einige neue Projekte mit Luxusimmobilien bis zu 11 Millionen Franken werden in Kürze auf den Markt kommen.“
Wie beurteilen Sie den allgemeinen Zustand des Tessiner Immobilienmarktes?
Der Markt befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Der Immobilienbestand aus den 70er- und 80er-Jahren bedarf dringend einer umfassenden Sanierung: Wer es sich leisten kann, renoviert und sichert sich so die Mieteinnahmen, während andere lieber verkaufen. Eine Neuentwicklung ist unerlässlich, erfordert aber Weitblick: Die bloße Erneuerung von Dämmung und Dach reicht nicht aus. Die Räume müssen neu gestaltet werden, mit zeitgemäßen Aufzügen, modernen Systemen und baulichen Verbesserungen, die ihren Wert auch in 15 Jahren noch sichern. Leider konzentrieren sich Bauträger oft nur auf eine oberflächliche Renovierung, die jedoch schnell veraltet sein wird.
Wie unterstützen Sie Investoren konkret bei der Entwicklung von Immobilienprojekten?
Wir ermutigen Bauträger stets, sich vor dem Marktstart mit uns in Verbindung zu setzen. Wir analysieren die tatsächliche Nachfrage, die beliebtesten Grundrisse und Präferenzen (separate oder offene Küche, Anzahl der Badezimmer, Waschküche im Haus, Außenbereiche) und ermitteln den tatsächlichen Marktwert, nicht den von den Portalen geschätzten. Diese Vorarbeit ermöglicht es uns, realistische Preise festzulegen, Projekte zu entwickeln, die den aktuellen Bedürfnissen entsprechen, bereits vor Baubeginn konkrete Verkaufszahlen zu erzielen und Fehler zu vermeiden, die spätere Verkäufe beeinträchtigen könnten. Heutige Kunden sind gut informiert und erkennen sofort billige Materialien, minderwertige Systeme oder schlecht gepflegte Details. Die Immobilienspekulation, die vor fünfzehn Jahren noch funktionierte, ist nicht mehr tragfähig.
Gibt es auf dem Tessiner Immobilienmarkt renditebringende Objekte?
Die Nachfrage ist extrem hoch, das Angebot sehr gering. Viele Eigentümer befürchten, dass sich der Verkauf eines vermieteten Gebäudes herumspricht und die Mieter ausziehen, wodurch die für die Kreditfinanzierung benötigten Einnahmen gefährdet würden. Deshalb arbeiten wir stets mit äußerster Diskretion: Bewertungen erfolgen unter Ausschluss der Öffentlichkeit, Besichtigungen sind qualifizierten Investoren vorbehalten, und die Prozesse sind schnell und vertraulich. In mehreren Fällen wurden die Mieter erst zum Zeitpunkt der Eigentumsübertragung informiert, ohne dass ihre Mietverträge beeinträchtigt wurden. Das Problem ist daher nicht die Nachfrage, sondern der Mangel an Mietobjekten, insbesondere zum Kauf im Raum Lugano, wo viele Gebäude aus den 70er-Jahren umfassend sanierungsbedürftig sind.



