Das Projekt für das neue Dorf in Besso entstand vor dem Hintergrund des zunehmenden Drucks auf dem Wohnungsmarkt. Was ist sein Hauptzweck?
Ziel ist es, einer Bevölkerungsgruppe, die derzeit Schwierigkeiten hat, angemessenen Wohnraum zu finden, eine konkrete Lösung anzubieten: selbstständige ältere Menschen mit begrenzten finanziellen Mitteln. Es geht nicht nur um den Bau von bezahlbarem Wohnraum, sondern auch darum, Bedingungen zu schaffen, die es diesen Menschen ermöglichen, in ihrem gewohnten Umfeld zu bleiben und ihre Beziehungen und Routinen aufrechtzuerhalten. Das Projekt entspricht einem klaren demografischen Trend: der stetig wachsenden Zahl älterer Menschen und einem Wohnungssystem, das ihren Bedürfnissen nicht immer gerecht wird.
Das Dorf bietet 80 Wohnungen zu moderaten Mietpreisen und 20 Wohnungen zum Marktpreis. Was ist der Grund für diese Entscheidung?
Die Einbeziehung eines Teils marktgerechter Wohnungen spiegelt eine konkrete Vision wider: die Entstehung von generationenübergreifenden oder sozial homogenen Vierteln zu vermeiden. Ziel ist es, ein gemischt genutztes Wohngebiet zu fördern, in dem verschiedene Generationen und wirtschaftliche Verhältnisse zusammenleben. Dieser Ansatz trägt dazu bei, das Risiko von Isolation zu verringern und nachbarschaftliche Beziehungen zu stärken. Es handelt sich um ein Modell, das den sozialen Zusammenhalt als strukturelles Element des Projekts betrachtet.
Neben den Unterkünften umfasst das Projekt zahlreiche Serviceleistungen und Gemeinschaftsbereiche. Welche Rolle werden diese spielen?
Sie sind ein integraler Bestandteil des Konzepts. Das Dorf ist als Wohnökosystem konzipiert, nicht nur als einfacher Wohnkomplex. Der zentrale Platz, die Grünflächen, die Dienstleistungsangebote, die Geschäfte und der Kindergarten erfüllen einen bestimmten Zweck: Sie erleichtern den Alltag und fördern die soziale Interaktion. Erreichbarkeit ist nicht nur wirtschaftlich, sondern auch funktional. Kürzere Wege zwischen Wohnung, Dienstleistungen und sozialem Leben bedeuten eine spürbare Verbesserung der Lebensqualität.
Das Projekt wird auf dem Gelände des ehemaligen Industrieunternehmens Righetti Combustibili errichtet. Welche Auswirkungen wird es auf das Viertel Besso haben?
Das Projekt stellt zugleich ein städtebauliches Sanierungsprojekt dar. Es zielt darauf ab, einem derzeit teilweise ungenutzten Gebiet neuen Wert zu verleihen und dessen Nutzbarkeit und Sicherheit zu verbessern. Die Versetzung der Gebäude entlang der Via Besso ermöglicht beispielsweise die Schaffung breiterer, baumbestandener Gehwege, was die Mobilität von Fußgängern deutlich verbessert. Darüber hinaus trägt die Integration des historischen Veladini-Gebäudes und die Gestaltung eines neuen Platzes zur Stärkung der Identität des Viertels bei.
Das Projekt wird von der Borgo Sergio Mantegazza Stiftung gefördert. Welche Rolle spielt die Stiftung und welche Vision leitet sie?
Die Stiftung Borgo Sergio Mantegazza wurde mit dem Ziel gegründet, dieses Projekt zu realisieren und darüber hinaus gemeinnützige Initiativen zu fördern. Sie ist inspiriert von der Vision Sergio Mantegazzas, der einen konkreten Beitrag für seine Heimatstadt leisten wollte. Die Stiftung arbeitet im Dialog mit der lokalen Bevölkerung und den Institutionen und verfolgt dabei einen pragmatischen Ansatz: Sie ermittelt den tatsächlichen Bedarf und entwickelt im Laufe der Zeit nachhaltige Lösungen.
Ist dieses Modell, über die einzelne Intervention hinausgehend, replizierbar?
Das von EROP Real Estate entwickelte Projekt entstand aus spezifischen Gegebenheiten, doch die Prinzipien des Modells sind durchaus übertragbar: die Integration von Wohnraum und Dienstleistungen, eine soziale Durchmischung und der Fokus auf wirtschaftliche Nachhaltigkeit. Die Herausforderung besteht darin, das Modell an unterschiedliche Kontexte anzupassen und dabei ein Gleichgewicht zwischen Designqualität und Barrierefreiheit zu wahren. In einer Zeit, in der Wohnen eine immer zentralere Rolle spielt, können Initiativen wie diese als Vorbild für weitergehende politische Maßnahmen dienen.



